TELEFON: +49 (0)7083 / 7480

Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen sowie schizoaffektive und drogeninduzuierte Psychosen

… diese Krankheitsbegriffe haben die meisten Menschen schon einmal gehört, ohne jedoch genau zu wissen, was sie bedeuten. Unter Psychosen ganz allgemein versteht man eine tiefgreifende Störung der Geistestätigkeit, in der die Funktionen des Denkens, Fühlens, Wahrnehmens, des affektiven Erlebens und Handelns gleichzeitig betroffen und beeinträchtigt sind. Es resultieren erhebliche Verhaltensauffälligkeiten, die für die Umwelt nicht mehr nachvollziehbar sind, da sie sich der menschlichen Vernunft und dem menschlichen Einfühlungsvermögen entziehen und letztlich nicht mehr verständlich sind (z.B. Wahninhalte).

Häufig begegnen uns in der psychiatrischen Klinik folgende Störungsbilder: schizophrene Psychosen, schizoaffektive Störungen, wahnhafte Störungen und organisch bedingte Psychosen (z.B. i.R. einer neurologischen Erkrankung oder drogeninduziert). 

Charakteristisch für die Schizophrenie (Prävalenz von ca. 0,5-1% der Gesamtbevölkerung, Männer und Frauen gleich häufig betroffen) sind folgende Symptome (mind. eines der ersten vier und zwei der nachfolgenden Symptome):

  • das Gefühl, dass die eigenen Gedanken laut werden, von außen eingegeben, entzogen werden oder sich ausbreiten
  • eine Wahnsymptomatik (z.B. Kontrollwahn oder Beeinträchtigungswahn)
  • akustische Halluzinationen i.F. kommentierender oder dialogischer Stimmen
  • bizarre Wahnvorstellungen (z.B. wahnhafte Überzeugung, eine bestimmte berühmte Persönlichkeit zu sein)
  • anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesqualität
  • Störungen im formalen Denken, wie Gedankenabreißen, Zerfahrenheit, Danebenreden oder Neologismen
  • Katatone Symptome, wie Erregung, Mutismus, Stupor
  • Negativsymptome, wie affektive Verflachung, Sprachverarmung, Apathie, Abnahme der sozialen Leistungsfähigkeit, Alogie, Aufmerksamkeitsstörung, Rückzug

Der Verlauf schizophrener Psychosen kann episodisch remittierend, episodisch zunehmend oder chronisch sich verschlechternd sein. Wir unterscheiden in den ggw. Klassifikationssystemen meherere Unterformen der Schizophrenie: die paranoide (weltweit häufigste), die hebephrene, die katatone und die undifferenzierte.

Die schizotype Störung ist charakterisiert durch exzentrisches Verhalten, Auffälligkeiten des Denkens und der Stimmung, ohne dass sie eindeutig als schizophrene Symptome zugeordnet werden können.

Bei der schizoaffektiven Störung finden sich depressive und manische Krankheitsepisoden, bei denen  gleichzeitig immer auch schizophrene Symptome vorliegen (im Gegensatz zur bipolaren Störung).

Für wahnhafte Störungen typisch ist das Vorhandensein einzelner Wahnideen oder aufeinander abgestimmter Wahninhalte, die längere Zeit oder sogar lebenslang vorhanden bleiben (Eifersuchtswahn, Größenwahn, wahnhafte Überzeugung, dass der eigene Körper deformiert sei o.a.).

Eine drogeninduzierte Psychose ist eine psychotische Störung, die durch den Konsum einer oder mehrerer Substanzen (z.B. Cannabis, LSD, Meskalin, psilocybinhaltiger Pilze, Kokain, Amphetamine u.a.) ausgelöst, also exogen verursacht ist. In Abhängigkeit von der Grundsubstanz kann die psychotische Symptomatik eher halluzinatorisch, wahnhaft oder polymorph ausfallen. Nicht immer klingt die psychotische Symptomatik nach Abstinenz wieder ab.

Für ein Verständnis der Entstehung schizophreniformer Störungen nutzen wir das sog. Vulnerabilitäts – Streß- Modell, welches von einer genetisch determinierten Vulnerabilität ausgeht, auf die jedoch psychosoziale Belastungen wirken müssen, damit es zum klinisch manifesten Auftreten der psychotischen Symptomatik kommt. Psychosoziale Belastungen wiederum sind nicht nur Negativereignisse oder andauernde Alltagsbelastungen, sondern auch Positivereignisse (z.B. Heirat oder andere pos. besetzte Schwellensituationen) und ein unregelmäßiger Lebensrhythmus. Letztlich finden sich in der psychotischen Symptomatik eine Dysbalance im Neurotransmittersystem (u.a. Dopamin) und eine gestörte Informationsverarbeitung, welche letztlich (s.o.) eine tiefgreifende Störung des Denkens, Fühlens, affektiven Erlebens, der Wahrnehmung und des Handels sowie erhebliche Verhaltensauffälligkeiten hervorrufen.

Die psychopharmakologische Behandlung ist (sofern nicht eine andere organische Erkrankung ursächlich vorliegt) die entscheidende Therapie der psychotischen Symptomatik. Wesentlich für die Förderung der Bereitschaft zur Einnahme einer antipsychotischen Medikation sind für einen Menschen, der ohnehin von psychotischen Symptomen (Wahnvorstellungen, Ängsten, Halluzinationen, Beeinträchtigungs- und Beeinflussungserleben u.s.w.) gequält ist, eine angstfreie therapeutische Atmosphäre und ein Halt gebender Rückzugsraum. Die zusätzliche Gabe einer angstlösenden sedierenden Medikation trägt meist dazu bei, dass sich der Betroffene auf eine stationäre Behandlung einlassen und diese letztlich als hilfreich erleben kann.

Die Auswahl des Antipsychotikums richtet sich nach der jeweiligen psychotischen Symptomatik (Positiv – oder Negativsymptome) und deren Schweregrad sowie dem jeweiligen Nebenwirkungsspektrum der Medikamente.

Auch für den Schutz vor einer erneuten Exazerbation der psychotischen Symptomatik ist die weitere Einnahme der antipsychotischen Medikation, allerdings in geringerer Dosierung als in der Akutphase, wichtige Voraussetzung.

Nach erster Stabilisierung und Response der psychotischen Symptomatik auf die Medikation verfolgen wir einen supportiven psychotherapeutischen Ansatz, der eine umfassende Psychoedukation zum Krankheitsbild, dem Krankheitsverlauf, möglichen Auslösern der Psychose, der medikamentösen Behandlung und zur notwendigen Compliance in der Langzeittherapie beinhaltet. Im weiteren Verlauf geht es um die Förderung struktureller Fähigkeiten in der Selbstwahrnehmung, um eine Sensibilisierung für Frühwarnsymptome und die zukünftige Beachtung der eigenen Belastbarkeitsgrenzen, um die Förderung von Fähigkeiten zur inneren und äußeren Abgrenzung (soziales Kompetenztraining, Verbesserung der Problemlösefähigkeiten), um die dementsprechende zukünftige Alltagsstrukturierung und den Aufbau eines tragfähigen ambulanten Behandlernetzes. Familienangehörige ziehen wir, sofern der Betroffene sein Einverständnis gibt, stets in die Therapie mit ein.

Ziel der Behandlung ist es, nach der Akutphase/Symptomremission die Krankheitsakzeptanz zu fördern und eine Krankheitsbewältigung zu vermitteln, die eine entsprechende Stabilität und Lebensqualität ermöglicht unter Berücksichtigung der Würde eines Patienten, seines Autonomiebedürfnisses, aber auch des vorhandenen Hilfsbedarfs.