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Depressive Störungen

Depressionen sind häufig auftretende psychische Erkrankungen. Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu leiden (Lebenszeitprävalenz) liegt für Frauen bei 23–26 %, für Männer bei 12-16 %. In Industriestaaten sind ca. 10% der Bevölkerung von einer depressiven Erkrankung betroffen (Jahresprävalenz).

In der Depression ist ein Mensch in seinem Fühlen, Denken, Handeln, seinem körperlichen Befinden und seinen sozialen Beziehungen beeinträchtigt. Je nach Art und Schwere der Depression finden sich einzelne oder mehrere Symptome auf folgenden Ebenen:

1. Der Gefühlsebene:
Niedergeschlagenheit, Schwermut, gedrückte Stimmung, Traurigkeit, Freud- und Lustlosigkeit, Wertlosigkeit, Angst, Verbitterung, Hoffnungslosigkeit, Affektarmut oder affektive Gereiztheit, Gefühl des „eingemauert-Seins“, innere Leere oder inneres Getriebensein, Antriebslosigkeit, Sinnlosigkeitsgefühle bis hin zu Lebensüberdruss u.a.

3. Der körperlichen Ebene:
Müdigkeit, Erschöpfung, Störung der Vitalgefühle, Ein- und Durchschlafstörungen, Verspannungen, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magen- Darmprobleme, Appetitmangel, Gewichtsverlust (depressive Esshemmung) oder Gewichtszunahme (Frustessen), Abnahme oder Verlust von sexuellem Interesse u.a.

2. Der Ebene des Denkens:
eingeengt pessimistisches Denken, Grübeln, negativ verzerrtes Bild von sich und der Welt, Konzentrationsprobleme, Abnahme der konzentrativen Belastbarkeit, Merkfähigkeitsprobleme, Ambivalenz oder Unfähigkeit, Entscheidungen treffen zu können u.a.

4. Der sozialen- und Beziehungsebene:
sozialer Rückzug, Aufgabe von Interessen und Hobbys, familiäre Konflikte, Arbeitsunfähigkeit, suizidale Handlungen u.a.

Die Ursachen depressiver Erkrankungen sind vielfältig. Nach heutigem Kenntnisstand gehen wir von einem multifaktoriellen Entstehungsmodell der Depression aus. Hier können genetische Faktoren (biologische Vulnerabilität), neurobiologische Faktoren (Veränderungen in den Neurotransmittern), somatogene Faktoren (körperliche Erkrankungen), psychosoziale Stressoren (beruflicher oder privater Stress, einschneidende Lebensveränderungen, Konflikte, Traumata, Verlusterlebnisse, auch gesellschaftliche Veränderungen u.a.) und Persönlichkeitsfaktoren (psychologische Vulnerabilität durch biografische Prägungen/ frühe Beziehungserfahrungen, innere Konflikte, strukturelle Defizite, eingeschränkt vorhandene Bewältigungsmechanismen, erlernte Hilflosigkeit und vieles andere) beteiligt sein.

Depressionen sind ernstzunehmende Erkrankungen, die einer professionellen Behandlung bedürfen. Betroffene, die unter depressiven Symptomen leiden oder Angehörige, die depressive Symptome beobachten und sich sorgen, sollten immer einen Arzt kontaktieren, um eine fachgerechte Behandlung bei einem Psychiater/Nervenarzt und/oder Psychotherapeuten zu bahnen und eine Zuspitzung der depressiven Symptomatik oder gar Suizidalität abzuwenden.

In der Sanima Klinik sind Depressionen die häufigste Indikation zur stationären Aufnahme. Je nach Art und Schwere der depressiven Symptomatik planen wir – individuell abgestimmt – die stationäre Behandlung. Die Herausnahme aus dem häuslichen bzw. beruflichen Umfeld, die Reizabschirmung von äußeren Belastungen schaffen oft schon eine erste Entlastung und leiten die diagnostische- und Stabilisierungsphase ein. Als besonders wirksam erweist sich in der Behandlung von Depressionen die Kombination aus einer antidepressiven Medikation und Psychotherapie. Antidepressiva sind ab einem bestimmten Schweregrad der Symptomatik bzw. bei rezidivierenden Krankheitsverläufen indiziert. Welche die geeignete Medikation für einen Betroffenen ist, wird ausführlich erörtert. Ebenso informieren wir darüber, wie lange die Medikation in welcher Dosierung weiterhin eingenommen werden und welche Kontrolluntersuchungen hierunter durchgeführt werden sollten. Die Stabilisierung von Stimmung, Antrieb und Affekt ist wichtige Voraussetzung, sich in der psychotherapeutischen Arbeit vertiefter mit vorhandenen Problemen, eigenen Anteilen hieran, biografischen Prägungen auseinanderzusetzen, ausreichend Kraft für Veränderungen und Problemlösungen aufzubringen und an innere Ressourcen anzuknüpfen (s. Verlauf der Behandlung und Therapiemethoden).