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Beigebrauch/Missbrauch von Suchtmitteln und/oder Medikamenten

Unter einem schädlichen Gebrauch verstehen wir ein Konsummuster, welches zu psychischen oder physischen Gesundheitsschäden führt, jedoch noch nicht die diagnostischen Kriterien einer Abhängigkeit erfüllt.

Eine Abhängigkeitserkrankung wird dann diagnostiziert, wenn während des letzten Jahres drei oder mehr der folgenden Kriterien gleichzeitig vorhanden waren:

  • starker Wunsch/Drang nach der jeweiligen Substanz
  • Kontrollminderung bezüglich Beginn, Beendigung und Menge des Konsums
  • körperliche Entzugssymptome nach Reduktion oder Beendigung des Konsums
  • Nachweis einer Toleranzentwicklung
  • zunehmende Vernachlässigung anderer Interessen
  • anhaltender Konsum trotz Nachweis schädlicher Folgen (gesundheitlich, sozial)

Die häufigsten Mißbrauchs – und Abhängigkeitsprobleme begegnen uns im klinischen Alltag bei folgenden Substanzen: Alkohol, Sedativa (Benzodiazepine), Cannabis und Nikotin. Darüberhinaus sehen wir auch immer wieder einen schädlichen Gebrauch von Medikamenten, die im engeren Sinne nicht abhängig machen, wohl aber zu somatischen Folgeschäden führen können (Nierenschädigung durch Schmerzmedikamente).

Für die Therapie von Abhängigkeitserkrankungen (insbesondere Alkohol, Benzodiazepine, Drogen) gibt es in Deutschland ein Suchthilfesystem, bestehend aus Angeboten für Entgiftungsbehandlungen, Entwöhnungsbehandlungen, für die Unterstützung bei der Aufrechterhaltung der Abstinenz durch Selbsthilfegruppen, die Betreuung durch soziotherapeutische Einrichtungen, Sucht – und Drogenberatungsstellen u.v.m.

Entsprechend führen wir in unserer Klinik keine primären Entgiftungs – oder Entwöhnungsbehandlungen durch! Allerdings behandeln wir viele Menschen, bei denen neben einer psychischen Störung, wie einer Depression oder Angsterkrankung komorbid noch eine Mißbrauchs- oder Abhängigkeitsproblematik von Alkohol, Medikamenten oder Drogen u.a. vorliegt. Die genannten Substanzen werden nicht selten als „Selbstmedikation“ eingesetzt, um die Symptome psychischer Erkrankungen zu mindern und Kummer/Sorgen zu betäuben. Ein schädlicher Substanzgebrauch wird dann natürlich in unserer Klinik mitbehandelt. Voraussetzung für die Aufnahme eines Patienten mit einer sekundären Abhängigkeitsproblematik wiederum ist eine stattgehabte Entgiftung in einer hierfür geeigneten Abteilung.

Grundsätzlich vereinbaren wir mit Patienten, bei denen eine sekundäre Suchtproblematik vorliegt, einen Therapievertrag, der u.a. zur Abstinenz von Suchtmitteln während der Behandlung verpflichtet, den Umgang mit selbstschädigenden Impulsen und Suchtdruck regelt  sowie das therapeutische Setting und dessen Einhaltung (auch Alkohol – und Drogenkontrollen) definiert. In der ersten Therapiephase erfährt der Betroffene eine umfangreiche Psychoedukation zu seinem Krankheitsbild, wird über die Folgen seines Substanzkonsums bzw. seiner Abhängigkeit aufgeklärt (ggf. noch weitere organmedizinische Abklärung, wie Oberbauch-Sono) und in seiner Therapiemotivation gestärkt. Im weiteren Verlauf geht es um ein Verständnis der psychischen und sekundären Suchtproblematik nicht nur vor dem Hintergrund aktueller Auslöser (Streß, Konflikte, belastende Lebensumstände), sondern auch eigener Verhaltens – und Beziehungsmuster, innerer Konflikte und biografischer Prägungen. Es geht also darum, sowohl die vordergründige psychische Erkrankung als auch die sekundäre Suchtproblematik im Kontext eigener Wesenszüge, eigener Persönlichkeitsmuster zu verstehen und zu bearbeiten. In Abhängigkeit von der inneren Stabilität eines Menschen gestaltet sich die Psychotherapie entweder eher konfliktzentriert oder strukturbezogen. 

Ein multimodales Therapieprogramm garantiertsomit neben der ressourcenorientierten verhaltenstherapeutischen und symptombezogenen Arbeit (Rückfallpräventionstraining, soziales Kompetenztraining, Skills-Training u.s.w.) eine vertiefte Auseinandersetzung mit der eigenen Person.