Wenn der Körper spricht.
Unter somatoformen Beschwerden verstehen wir körperliche Symptome/Missempfindungen, für die keine die Beschwerden hinreichend erklärende organische Ursache bzw. keine entsprechende körperliche Erkrankung gefunden wird. Kann der Arzt keinen pathologischen Befund nachweisen, reagieren viele Menschen entlastet, andere jedoch bleiben verunsichert und drängen auf weitere medizinische Abklärung. So kann ein Teufelskreislauf beginnen aus Selbstbeobachtung, ängstlicher Wahrnehmung körperlicher Missempfindungen und katastrophisierender Überzeugungen, dass es ursächlich doch eine körperliche Erkrankung geben muss.
Häufige somatoforme Beschwerden sind Kopf- und Gesichtsschmerzen, Bauchschmerzen, Völlegefühle, Blähungen, Herzrasen und Herzstolpern, Brennen in der Brust, Atembeschwerden, Blasenprobleme, Rückenschmerzen, Sensibilitätsstörungen (Kribbelgefühle) u. v. m. Somatoforme Symptome können den gesamten Körper betreffen, häufig auch die Körperregion wechseln, in jedem Falle aber über Jahre beeinträchtigen und hohen Leidensdruck verursachen. Von einer somatoformen Störung sprechen wir dann, wenn somatoforme Beschwerden über mind. zwei Jahre bestehen, der Betroffene aber trotz wiederholter medizinischer Abklärung und negativer Untersuchungsergebnisse, also trotz fehlender organpathologischer Befunde, weiterhin hartnäckig darauf drängt, dass eine körperliche Ursache gefunden werden und weitere Diagnostik betrieben werden muss. Menschen mit einer somatoformen Störung bleiben oft über Jahre darauf fokussiert, dass es sich doch „um etwas Körperliches“ handeln müsse. Sie gehen häufig zum Arzt, wechseln die Ärzte, fühlen sich unverstanden und sind verzweifelt. Das gesamte Leben engt sich auf die jeweiligen Beschwerden ein, es kommt zu Schon- und Vermeidungsverhalten, oft zu Problemen am Arbeitsplatz oder innerhalb der Familie.